Was ist Autismus?

Die Soziologin Judy Singer und die autistische Aktivistin Jane Meyerdin prägten den Begriff “Neurodiversität”.
Das Konzept der Neurodiversität besagt, dass die Unterschiede von Menschen, die anders denken als die Norm, nicht automatisch ein medizinisches Problem sind.

Das Autismus-Spektrum umfasst eine Vielzahl an neurologischen Merkmalen.
Diese Merkmale beeinflussen in erster Linie

  • die Wahrnehmung

  • die Kommunikation und Interaktion

  • die Informationsverarbeitung und die exekutiven Funktionen

  • die Reizverarbeitung

Jedes dieser Merkmale kann bei verschiedenen Personen unterschiedlich ausgeprägt sein.

Autismus ist nichts, das geheilt werden kann (oder muss), es ist eine tiefgreifend andere Art zu Fühlen, Wahrzunehmen und zu Denken.

Häufig führt diese Andersartigkeit zu einer Reihe von Schwierigkeiten, die Leidensdruck beim betroffenen Kind oder seinem Umfeld auslösen. Und natürlich besteht, in unterschiedlicher Ausprägung, oft eine Notwendigkeit zu individueller Förderung.

Leider entsteht dabei oft die Erwartungshaltung, das Kind müsse aufhören, sich autistisch zu verhalten, wodurch weitere Probleme, und häufig auch seelische Verletzungen, entstehen.
Das permanente Unterdrücken autistischen Verhaltens und anhaltende Überforderungszustände führen nicht selten zu Depressionen, Angst-und Zwangsstörungen und autistischem Burnout.

Wie äußert sich Autismus im Alltag?

Die folgende Übersicht soll Anhaltspunkte geben, welche Symptome sich im Alltag zeigen können.
Nicht alles muss zutreffen, die genannten Symptome treten nicht nur im Autismusspektrum auf, und die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Sie ersetzt keine Diagnostik.

  • Schwierigkeiten mit der Reizverarbeitung
    z.B. anhaltendes Schreien bei Babys oder Meltdowns/emotionale Ausbrüche bei älteren Kindern

  • Über- oder Unterempfindlichkeit gegenüber bestimmten Reizen
    z.B. Ohren zuhalten bei vielen Geräuschen, Intoleranz gegenüber bestimmten Kleidungsstücken oder Nahrungsmitteln/Konsistenzen, verringertes Schmerzempfinden oder Hunger/Durst/Harndrang nicht spüren

  • Bedürfnis nach Kontrolle und Vorhersehbarkeit,
    z.B. immer informiert sein wollen was warum passiert, bestimmen was wie gespielt/getan wird;
    große Schwierigkeiten mit Unvorhergesehenem oder Änderungen in der Routine

  • Schwierigkeiten mit dem Verständnis sozialer und nonverbaler Kommunikation
    z.B. schwer in andere hineinversetzen können, Blickkontakt meiden, Mimik / Tonfall schlecht deuten können

  • Schwierigkeiten mit der Emotionsregulation
    z.B. starke Gefühle ungern spüren, leicht reizbar, schwer aus negativen Gefühlen herausfinden

  • Selbstberuhigendes Verhalten
    oft in Form sich wiederholender Bewegungen und Tätigkeiten
    z.B. mit dem Oberkörper wippen, mit den Händen flattern, an der Kleidung / mit den Fingern nesteln

  • eine oft hohe Fähigkeit zur Anpassung an Erwartungen,
    im Sinne des Versteckens der eigenen Überforderung, häufig nur außerhalb vom Zuhause

  • Exekutive Dysfunktionen
    z.B. Schwierigkeiten sich selbst zu organisieren und strukturieren, Tätigkeiten zu beginnen oder zu beenden

  • Eingeschränkte feinmotorische Fähigkeiten und allgemeine Ungeschicklichkeit
    z.B. Schwierigkeiten mit der Handschrift oder dem Binden von Schnürsenkeln, häufiges Anrempeln von Personen und Gegenständen

 
 

Meine Angebote im Überblick

  • Beratung für Eltern zum Verständnis von und Umgang mit Autismus

  • Beratung von Schulen, KiTas, Schulbegleitern/Integrationskräften

  • therapeutische Begleitung von Kindern mit Autismus

  • Unterstützung bei der Beantragung eines Pflegegrads

  • Unterstützung bei der Vorbereitung auf die Diagnostik - v.a. sinnvoll bei stark maskierenden/sich anpassenden Kindern